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Behandlungsspektrum

Hirntumor

Rehabilitation von Patienten mit Hirntumoren

Jedes gut- oder bösartige Geschwulst innerhalb des Schädels wird als Hirntumor bezeichnet. Hirntumore haben ihren Ursprung im Gehirn oder im Rückenmark und heißen daher auch Tumore des Zentralnervensystems (ZNS) oder primäre Hirntumore (primäre ZNS-Tumore). Von diesen primären Hirntumoren sind sogenannte Hirnmetastasen abzugrenzen. Diese stellen Tochtergeschwülste von Krebsarten dar, die ihren Ursprung in anderen Organen haben. Am häufigsten gehen Hirntumore von den verschiedenen Stützzellen im Gehirn, den sogenannten Gliazellen aus. Zu diesen als Gliome bezeichneten Tumoren zählen Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Glioblastome sind die bösartigste Form der Astrozytome. Ependymome sind Tumoren, die von der Innenauskleidung der Hirnkammern ausgehen. Desweiteren gibt es Tumore die von den Hirnhäuten ausgehen: die Meningeome. Darüberhinaus kommen Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophysentumore) oder der Hirnnerven (Neurinome) vor. Aus bestimmten weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten, können Lymphome des Zentralnervensystems entstehen.

Zur Behandlung von Hirntumoren stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung: die Operation, die Bestrahlung des Tumors (Strahlentherapie) und die Chemotherapie. Die genaue Behandlung hängt von der Art des Hirntumors sowie von seiner Lage im Gehirn ab.

Was sind die Folgen?

Die Funktionsstörungen, die ein Hirntumor verursachen kann, sind sehr vielfältig und hängen wesentlich von der Lage des Tumors ab. Sie treten einzeln oder in Kombination auf und werden in vier Hauptgruppen unterteilt:

  • Hirndruckzeichen z.B. Kopfschmerz (neu auftretend, besonders nachts und morgens), Übelkeit und Erbrechen
  • Neurologischer Ausfall, z.B. Muskelschwäche und Lähmungserscheinung, Taubheitsgefühl (in einer Körperhälfte, an einzelnen Gliedmaßen), Schwindel, Schwerhörigkeit, Sprachstörung, Sprechstörung, Schluckstörung, Sehstörung (z. B. verschwommen Sehen, Gesichtsfeldausfälle)
  • Epileptische Anfälle
  • Psychische und kognitive Veränderungen und Persönlichkeitsveränderung (z. B. leichte Reizbarkeit, erhöhte Ablenkbarkeit, Depression, Apathie, Angst, Beeinträchtigung des Gedächtnisses, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit)

Ziel der Rehabilitation am NRZ/in der Sachsenklinik ist die Verbesserung der Funktionsstörungen und die Minderung der aus den Funktionsstörungen resultierenden Einschränkungen im täglichen Leben und im Beruf. Dabei wird der uns anvertraute Patient in seiner bio-psycho-sozialen Komplexität gesehen, d.h. neben den körperlichen Symptomen werden seelische Befindlichkeiten und persönliche Lebenssituation in die Gestaltung seiner Rehabilitation einbezogen.

Wissenschaftlich begründete und in ihrer Wirksamkeit bewiesene Therapieverfahren bestimmen im NRZ Leipzig/in der Sachsenklinik die Arbeit unserer Physio- und Ergotherapeuten. Auch in der Neuropsychologie, Psychologie und Logopädie werden hocheffiziente Therapiemethoden verwendet. Insgesamt wirkt ein interprofessionelles Team bei der individuellen Patientenrehabilitation zusammen, zu dem auch Ärzte, Orthoptisten, Sozialarbeiter, Masseure sowie Gesundheits- und Krankenpfleger gehören. Die Strategien des Teams sind eng aufeinander abgestimmt, um gemeinsam mit dem Patienten das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Ziele der multiprofessionellen Rehabilitationsbehandlung:

  • Förderung der Lern- und Umstellungsbereitschaft des Gehirns zur Minderung motorischer, kommunikativer, emotionaler und geistiger Beeinträchtigungen
  • Anbahnung und Wiederherstellung alltagspraktisch und berufsbezogen nutzbarer Arm-, Bein- und Rumpfmotorik (einschließlich Gehen, Stehen, Treppensteigen, Handmotorik mittels krankengymnastischer, sporttherapeutischer und ergotherapeutischer Behandlung)
  • Erreichen weitgehender Selbständigkeit im Alltagsleben, ggf. mit Hilfe behinderungsgerechter Hilfsmittelversorgung und Schulung im Umgang mit erforderlichen Hilfsmitteln und Schulung im Umgang mit diesen Hilfsmitteln
  • Behandlung von Komplikationen (z.B. erhöhtem Hirndruck, Epileptischen Anfällen Depression u.a.)
  • Vermittlung von Krankheitsinformation und Motivation zur gesundheitsbewussten (und ggf. an die Behinderung angepassten) Lebensführung, Beratung von Angehörigen
  • Beratung zur Wiedereingliederung ins das Leben in der Familie, der Gesellschaft und das Berufsleben, mit Kontaktaufnahme zu den Angehörigen (Angehörigenberatung) und ggf. zu den Arbeitgebern
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen
  • Hilfen bei der Krankheitsbewältigung
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Steigerung von Lebensqualität und Lebensfreude

Multiple Sklerose

Multiprofessionelle Rehabilitationsbehandlung für anhaltende Therapie-Erfolge bei multipler Sklerose

Die multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch verlaufende entzündliche Erkrankung des Gehirns und Rückenmarkes. Im Verlauf dieser Erkrankung kann es an verschiedenen („multiplen“) Stellen des Zentralnervensystems zu einem Untergang von nervenumhüllendem Gewebe oder Nervenzellen kommen, so dass ein narbiger Defekt („Sklerose“) entsteht. Im Verlauf der Erkrankung können Funktionsstörungen auftreten, die die Patienten in ihren Alltagsaktivitäten sowie in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben behindern. Dabei kann eine Vielzahl funktioneller Systeme des Zentralnervensystems in sehr variablem Ausmaß und zeitlicher Abfolge betroffen sein.

Zu den möglichen Funktionsstörungen der MS gehören:

  • Gang- und Standunsicherheit durch Muskelschwäche (Lähmung) oder Gleichgewichtsstörung
  • Beeinträchtigung der Handfunktion durch Muskelschwäche (Lähmung) oder Koordinationsstörung, Zielunsicherheit bei Willkürbewegungen
  • Spastik
  • Gefühlsstörungen (mit Kribbeln, Pelzigkeitsgefühl, schmerzhaften Missempfindungen, vermindertem räumlichem Tastempfinden)
  • Handzittern
  • Ermüdung, Depression
  • kognitive Störungen
  • Sprech- und Schluckstörungen
  • Sehstörungen (z.B. Schleiersehen), Doppelbilder
  • Blasenstörungen
  • Störungen der Krankheitsverarbeitung
  • Sozialer und beruflicher Rückzug

Diagnostik und Behandlungsmethoden:

Die MS wird mehrheitlich als Autoimmunerkrankung verstanden, bei der wesentliche krankheitsauslösende und –fördernde Mechanismen über die körpereigene Abwehr vermittelt werden.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist eine sorgfältige Diagnostik, um andere in Frage kommende Erkrankungen auszuschließen. Bei der Therapie der MS stehen der modernen Neurologie eine Reihe wirksamer Therapieverfahren zur Verfügung. Neben der Behandlung eines akuten Schubes sind die Möglichkeiten einer neurologischen Rehabilitationsbehandlung für Betroffene von besonderer Bedeutung, um einem drohenden Verlust alltagspraktischer oder berufsbezogener Fähigkeiten oder dem Auftreten von Komplikationen (z.B. schwer behandelbare Spastik oder Gangunsicherheit) wirksam zu begegnen.

Das Konzept der multiprofessionellen Rehabilitationsbehandlung:

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass übende Verfahren (insbesondere Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) von anerkanntem Nutzen für Funktionsstörungen sind. Die multiprofessionelle Rehabilitationsbehandlung bei multipler Sklerose erlaubt die Formulierung von Therapiezielen sowie die Erarbeitung eines individuellen Behandlungsplans, der genau auf die Beschwerden jedes Patienten abgestimmt ist. Der Behandlungsplan zielt auf die Beseitigung bzw. Minderung der Krankheitsfolgen im privaten und beruflichen Alltag und hilft zugleich bei der seelischen Bewältigung der Erkrankung. Schwerpunkt der Klinik ist die Behandlung motorischer Störungen, die moderne Therapieelemente wie repetitives Training, CIMT („erzwungener Gebrauch“) und „Shaping“ (Anpassung der Anforderungen an die Funktionserholung) mit einbeziehen. Psychologische und psychosomatische Aspekte von Krankheit und Behinderung ebenso wie die Angehörigenberatung sind selbstverständlicher Bestandteil unseres Rehabilitationskonzeptes. Die Behandlung wird durchgeführt von einem Team aus Mitarbeitern verschiedener Berufsgruppen, bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Logopäden, Pflegetherapeuten, Medizinischen Bademeistern/Masseuren und Sozialarbeitern. Die Strategien des Teams sind eng aufeinander abgestimmt, um gemeinsam mit dem Patienten das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Aus verschiedenen Untersuchungen geht hervor, dass ein stationäres Behandlungskonzept vermutlich wirksamer ist als ambulante Therapie, wobei der maximale Therapieeffekt über die Summe der Einzeltherapien hinaus geht. Zudem konnte gezeigt werden, dass ein positiver Effekt nicht nur von kurzer Dauer ist, sondern dass die Verbesserung von Behinderung, Handicap oder Lebensqualität meist mehrere Wochen bis Monate anhält. Offenbar liegt der positive Effekt der Rehabilitationsbehandlung nicht nur in der Wiederherstellung gestörter Funktionen, sondern auch in einer verbesserten Kompensation und Verarbeitung der Störungen begründet.

Ziele der multiprofessionellen Rehabilitationsbehandlung:

  • Förderung der Lern- und Umstellungsbereitschaft des Gehirns zur Minderung motorischer, kommunikativer, emotionaler und geistiger Beeinträchtigungen
  • Anbahnung und Wiederherstellung alltagspraktisch und berufsbezogen nutzbarer Arm-, Bein- und Rumpfmotorik (einschließlich Gehen, Stehen, Treppensteigen, Handmotorik mittels krankengymnastischer, sporttherapeutischer und ergotherapeutischer Behandlung)
  • Erreichen weitgehender Selbständigkeit im Alltagsleben, ggf. mit Hilfe behinderungsgerechter Hilfsmittelversorgung und Schulung im Umgang mit erforderlichen Hilfsmitteln und Schulung im Umgang mit diesen Hilfsmitteln
  • Behandlung von Komplikationen (z.B. Schmerzen, höhergradige Spastik, Depression u.a.)
  • Vermittlung von Krankheitsinformation und Motivation zur gesundheitsbewussten (und ggf. an die Behinderung angepassten) Lebensführung, Beratung von Angehörigen
  • Beratung zur medikamentösen Therapie
  • Beratung zur Wiedereingliederung ins Berufsleben, ggf. mit Kontaktaufnahme zu Arbeitgebern
  • Üben verschiedener berufsbezogener Fertigkeiten
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen
  • Hilfen bei der Krankheitsbewältigung
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Steigerung von Lebensqualität und Lebensfreude

Spezielle Behandlungsverfahren:

  • Posturographisches Biofeedbacktraining zur Verbesserung des Gleichgewichtes
  • Moderne Behandlungsverfahren für zentrale Paresen:
    – repetitives sensomotorisches Training (auch mit Objekten des Alltags)
    – CIMT („Erzwungener Gebrauch“, „Forced use – Therapie“)
    – Sporttherapie
    – Schmerztherapie
    – Botulinum-Toxin-Behandlung
    – Gedächtnistraining
    – Verhaltenstherapie zur Krankheitsbewältigung

Zusammenfassung:

Das NRZ Leipzig ist ein nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattetes Rehabilitationszentrum für Neurologie mit insgesamt 210 Behandlungsplätzen. Die Klinik ist in der Lage, von multipler Sklerose Betroffene mit jedem Behinderungsgrad aufzunehmen. Grundlage der Rehabilitationsbehandlung ist ein ganzheitliches, alle Berufsgruppen einbeziehendes bio-psycho-soziales Behandlungskonzept, bei dem aktivierende und motivierende Behandlungsverfahren mit Schwerpunkt Motorik im Vordergrund stehen, jedoch ebenso psychologische und soziale Aspekte des Patienten und seiner Erkrankung Gegenstand der intensiven Behandlung sind.

Schlaganfall

Rehabilitation nach Schlaganfall
Nach der Akutbehandlung sollte die Rehabilitation möglichst frühzeitig beginnen. Ziel ist immer die Beseitigung oder Minderung bestehender Funktionsstörungen. Dazu zählen Lähumgen von Arm, Bein und/oder Gesicht, Sprach-Sprech- und Schluckstörungen, Seh- und Erkennensstörungen, Beeinträchtigungen der Konzentration, der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses. Auch eine Depression kann in der Folge eines Schlaganfalles auftreten. Aus den genannten und weiteren Schlaganfallfolgen resultieren häufig Einschränkungen bei den Verrichtungen des täglichen Lebens, der Mobilität und der Erwerbsfähigkeit.

Die Rehabilitation im NRZ Leipzig zielt deshalb ausdrücklich auch auf die Wiedereingliederung des Patienten in Familie und Beruf. Er soll soweit wie möglich selbständig und selbstbestimmt leben. Dabei wird der uns anvertraute Patient in seiner bio-psycho-sozialen Komplexität gesehen, d.h. neben den körperlichen Symptomen werden seelische Befindlichkeiten und sein persönliche Lebenssituation in die Gestaltung seiner Rehabilitation einbezogen.

Das menschliche Gehirn ist in jedem Lebensalter lern- und umstellungsfähig, es verfügt über eine immense “Plastizität”. Die Mechanismen, mit denen sich die plastische Neuorganisation von Nervengewebe anregen und beschleunigen lässt, bilden die Grundlage moderner Rehabilitationsmedizin. Im NRZ Leipzig stehen aktivierende und motivierende Therapiemethoden im Vordergrund, die jüngste Erkenntnisse rehabilitationsneurologischer Forschung berücksichtigen und dem Ziel dienen, die funktionelle Beeinträchtigung oder Behinderung und ihre Folgen für Alltag und Beruf zu beseitigen oder wenigstens zu mindern.

Wissenschaftlich begründete und in ihrer Wirksamkeit bewiesene Therapieverfahren bestimmen im NRZ Leipzig die Arbeit unserer Physio- und Ergotherapeuten. Auch in der Logopädie und Neuropsychologie werden hocheffiziente Therapiemethoden verwendet. Insgesamt wirkt ein interprofessionelles Team bei der individuellen Patientenrehabilitation zusammen, zu dem auch Ärzte, Orthoptisten, Sozialarbeiter, Masseure sowie Gesundheits- und Krankenpfleger gehören.

Schädel-Hirn-Trauma

Neurorehabilitation nach Schädelhirnverletzungen

Das Schädelhirntrauma ist eine durch äußere Gewalteinwirkung (z.B. Stürze oder Verkehrsunfälle) hervorgerufene Schädigung von Schädeldecke und Hirngewebe. Zur Einteilung des Schweregrades eines Schädelhirntraumas wird üblicherweise die Glasgow-Coma-Skala verwendet. In Abhängigkeit von der initialen Bewusstseinslage (Glasgow-Coma-Skala), der Dauer und Tiefe der durch die Verletzung des Gehirns hervorgerufenen Bewusstseinsstörung werden leichte, mittelschwere oder schwere Schädelhirntraumata unterschieden.

Bei einer nur geringen Gewalteinwirkung auf das Gehirn tritt nur eine vorübergehende Bewusstseinsstörung auf, man spricht dann von einem leichten Schädelhirntrauma. Eine stationäre Überwachung sollte dennoch über 24 Stunden erfolgen.

Liegt ein schweres Schädelhirntrauma vor, muss der Betroffene auf einer Intensivstation betreut werden.

Die weiterführende Akutbehandlung (z.B. neurochirurgische Interventionen, Hirndrucktherapie) ist u.a. abhängig von den Befunden der bildgebenden Verfahren. Dank der Intensivmedizin und der schnellen Akutversorgung in spezialisierten Zentren ist die Mortalitätsrate für Patienten mit schweren Verletzungen des Gehirns gesunken, was jedoch gleichzeitig dazu führt, dass die Anzahl der Patienten mit ausgeprägten neurologischen und kognitiven Schädigungen gestiegen ist.

Das klinische Bild einer Hirnschädigung ist vielfältig: es reicht von einer isolierten passageren Bewusstseinsstörung bis hin zu schweren motorischen, sprachlichen, visuellen und kognitiven Defiziten, die nach der Akutbehandlung (Phase A) einer kompetenten Neurorehabilitation bedürfen. Entsprechend dem integrierten Versorgungssystem, können die Patienten in Abhängigkeit vom Schweregrad der neurologischen Funktionsstörungen die für sie notwendige spezifische stationäre neurorehabilitative Behandlung erhalten. ( Phasenmodell nach BAR)

  1. neurologische / fachübergreifende Früh-Rehabilitation Phase B
  2. postprimäre Rehabilitation Phase C
  3. Anschlussheilbehandlung Phase D
  4. medizinisch- berufliche Rehabilitation Phase E
  5. Phase F (Langzeitbetreuung schwer bewusstseinsgestörter Patienten)

Angestrebt wird die Wiederherstellung der geistig-körperlichen Leistungsfähigkeit und der selbständigen Teilhabe des Rehabilitanden in seinem Lebensumfeld. (bio-psycho-soziales Krankheitsmodell der WHO). Die Neuroplastizität und die individuellen Restitutions-, sowie Kompensationsstrategien bilden die biologische Grundlage einer Neurorehabilitation. Zu Beginn der neurologischen Frührehabilitation stehen neben der medizinischen Stabilisierung vegetativer Funktionen (Atmung, Herz-Kreislauf, Temperatur, Stoffwechselfunktionen, Ernährung) die Mobilisierung und Aktivierung des Patienten durch das therapeutische Team im Vordergrund. Die therapeutische Pflege trägt zur Vermeidung von Sekundärkomplikationen (u.a. Thrombosen, Dekubitus, Gelenkkontrakturen) bei und unterstützt die beginnenden Eigenaktivitäten des Patienten.

In den unterschiedlichen Phasen der neurologischen Rehabilitation werden individuelle Behandlungspläne mit Etappenzielen erstellt. Das Zusammenwirken eines speziellen multiprofessionellen Teams (ärztlicher Dienst, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie einschließlich therapeutischer Pflege) und dessen wöchentlicher Beratung in den Teamsitzungen ist von großer Bedeutung für optimale Rehabilitationsergebnisse.

Liegt ein schweres Schädelhirntrauma vor, sind trotz intensiver Bemühungen körperliche und / oder nichtkörperliche Behinderungen relativ häufig vorhanden. Hier steht in der Weiterversorgung der Sozialdienst zur Verfügung, um im Entlassungsmanagement die individuellen Ressourcen der ambulanten Betreuung zu analysieren und einzuleiten.

(N.Engelmann)

Meningitis Enzephalitis

Neurologische Rehabilitation nach akuter Hirnhaut – oder Hirngewebsentzündung

(Meningitis, Meningomyelits, Enzephalitis oder Meningoenzephalitis)

Entzündliche Veränderungen der Rückenmarkshäute und der Hirnhäute werden meist durch Viren und Bakterien, seltener durch Pilze und Parasiten hervorgerufen. Bei der Hirnhautentzündung handelt es sich um eine ernste Erkrankung, ein früher Therapiebeginn verbessert die Heilungschancen.

Entzündliche Erkrankungen des Hirngewebes werden als Enzephalitis bezeichnet. Ursache dieser Erkrankung sind in den häufigsten Fälle Viren. Je nach Schweregrad der Infektion treten milde Formen mit kurzer Erkrankungszeit und blanden neurologischen Ausfallserscheinungen auf, bis hin zu schweren und langwierigen Verläufen.

Symptome einer entzündlichen Erkrankung des Gehirns können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Krampfanfälle
  • Qualitative und quantitative Bewusstseinsstörungen
  • Fokale neurologische Defizite ( Sprachstörungen, Paresen, Gleichgewichtsstörungen etc.)

Die initiale Notfalldiagnostik ( bildgebende Verfahren, Labor, Liquoruntersuchungen, EEG etc.) und Behandlung (z.b. Antibiotika, schmerzlindernder und fiebersenkende Medikamente, Antiepileptika etc.) erfolgen in der Akutklinik.

Nach Abklingen des Akutereignisses sollte sich bei persistierenden neurologischen Ausfällen eine neurologische Rehabilitationsbehandlung anschließen. Die Antragsstellung erfolgt durch die Ärzte der Akutklinik.

Nach stationärer Aufnahme in der Rehabilitationsklinik und exakter Erhebung der Krankengeschichte einschließlich neurologischer Untersuchung ist es erforderlich, ein individuelles multimodales Therapiekonzept ( Physio-, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie ) zu erstellen. Dabei kommen Einzel- und Gruppentherapien zur Anwendung.

Besonders häufig treten nach einer Hirnhaut – und /oder Hirngewebserkrankung neuropsychologische Störungen (Einschränkungen von Aufmerksamkeit-, Gedächtnis- und exekutiven Funktionen, Verhaltens- und emotional-affektive Störungen) auf. Verhaltensauffälligkeiten, die meist in Kombination mit exekutiven Defiziten auftreten, verlangen eine gesonderte Konzeptbildung im Rahmen der neurologischen Rehabilitation. In unserer Einrichtung steht dafür eine Konzeptstation mit neuropsychologischen Schwerpunkt zur Rehabilitation zur Verfügung.

Die Behandlung von exekutiven Funktionen und Gedächtnisstörungen müssen sich intensiv an den individuellen Gegebenheiten des Rehabilitanden orientieren, damit ein Transfer des Erlernten in den Alltag ermöglicht wird.

Im Zentrum der neurologischen/ neuropsychologischen Rehabilitationsbehandlung stehen der ganzheitliche Therapieansatz und die sich an den ICF- Kriterien orientierenden Therapiemodule. Vereinfacht zusammengefasst unterscheiden wir 3 Therapiesäulen der Rehabilitationsbehandlung mit Schwerpunkt Neuropsychologie, die in gestaffelter Form angewendet werden. ( Gauggel 2003)

  1. Restitutive, d.h. übende und stimulierende Methoden: Förderung neuronaler Reorganisation mit Hilfe eines regelmäßiges hochfrequentes PC-Training und Papier und Bleistift-Aufgaben Anwendung v.a. in der Postakutphase- überwiegend als Einzeltherapie
  2. Kompensatorische Behandlungsmethoden: Ausgleich der kognitiven Defizite, Erlernen und Anwendung neuer Strategien, Verbesserung des Störungsbewusstsein, Einzel- und Gruppentherapie,
  3. Integrative Therapieansätze: Anpassung von Methoden und Techniken aus der Psychotherapie an die Behandlung von Rehabilitanden mit erworbener Hirnschädigung

Im Verlauf der Rehabilitation nach Hirnhaut- und Hirngewebsentzündungen ist es von besondere Bedeutung, einen intensiven Austausch mit Angehörigen und Weiterbehandlern aufzubauen. Vor allem bei persistierenden schweren Defiziten, ist ein Netzwerk professioneller Helfer notwendig, um eine Reintegration im häuslichen oder betreuten Wohnbereich zu ermöglichen. Gezielte Empfehlungen für die heimatnahe Weiterbehandlung und eine, wenn erforderlich, komplette sozialmedizinische Einschätzung, sind für den Betroffen von hoher Wichtigkeit. Die Einbeziehung unseres Sozialdienstes wird daher in den Teamsitzungen vorbereitet und umgesetzt.

Währen der neurologischen Rehabilitationsbehandlung können, wenn erforderlich, Kontrolluntersuchungen ( CCT, EEG, LP, sämtliche elektrophysiologische Untersuchungen, Laboruntersuchungen ) durchgeführt werden.

(N.Engelmann)

Polyneuropathie (Guillain-Barre-Syndrom , GBS und chronische Verlaufsform, CIDP)

Polyneuropathien sind Schädigungen mehrerer peripherer Nerven, ausgelöst durch verschiedene systemische Prozesse. Charakteristisch sind  meist symmetrisch distal betonte motorische und / oder sensible Ausfälle im Bereich der Extremitäten. Zusätzlich ist eine autonome Beteiligung möglich. Auch Hirnnervenausfälle können auftreten.

Lähmungen, die im Rahmen einer immunvermittelten Polyneuropathie, genannt auch Guillain-Barre-Syndrom (GBS), auftreten,  können rasch fortschreiten und letztendlich zu einer Atemlähmung (Beatmungspflichtigkeit)  oder schweren autonomen Funktionsstörungen führen.  Mit einem Erreichen des Beschwerdemaximums ist nach 3-4 Wochen zu rechnen (Plateauphase), anschließend kommt es zu einer langsamen Rückbildung der Beschwerden ist umgekehrter Reihenfolge. Obwohl die Rückbildung der  distal betonten Lähmungen und sensiblen Störungen Wochen bis Monate dauern kann, ist die  Prognose insgesamt als sehr günstig anzusehen.

Nach erfolgter  Diagnostik und  leitliniengerechter Therapie (Plasmapherese, intravenöse Immunglobuline) im Rahmen der Akutbehandlung ist bei stabilem Allgemeinzustand eine neurologische Rehabilitation zu empfehlen. Auch wenn  die Patienten noch  eine künstliche Atemunterstützung, in der Regel über eine Trachealkanüle, erhalten, sollte zeitnah eine Mobilisierung und Aktivitätsanbahnung durch Physio- und Ergotherapie,  ein erstes Schlucktraining und Kanülenmanagement durch die Logopädie erfolgen. Diese wird im Rahmen einer fachübergreifenden neurologischen Frührehabilitation in einer dafür spezialisierten Rehabilitationseinrichtung gewährleistet. Es gilt, im Rahmen eines multimodalen Therapieansatzes, die neuronales Reorganisation des  Nervensystems optimal zu unterstützen, strukturelle Voraussetzungen zu unterstützen und Wahrnehmung und Sensibilität zu fördern. Ziel ist es, die Wiederherstellung natürlicher Bewegungsabläufe erreichen zu können, damit eine Teilhabe am persönlichen und gesellschaftlichen Leben ermöglich wird.

Im Rahmen des GBS kommt es durch immunvermittelte Prozesse zur Beschädigung der Myelinscheiden der Nervenfasern und damit zur Veränderung der Übertragung der elektrischen Impulse. In der Folge treten Lähmungen  und  Gefühlstörungen überwiegend  an den Extremitäten auf.

Ein wichtiger Ansatzpunkt der Physiotherapie in der neurologischen Rehabilitation ist die muskuläre Kräftigung  und  Verbesserung des funktionellen Einsatzes der gelähmten Extremitäten im Alltag.

Bei Gefühlsstörungen im Bereich der Extremitäten kann  durch  sensible Reizsetzung (z.B.  Igelball, Kiesbad)  eine Wahrnehmungsverbesserung erreicht werden.  Bei Störung der Zielbewegungen ist ein Training der Koordination und Zielmotorik durch Physiotherapie und Ergotherapie in enger Abstimmung zielführend.

Bei der Hälfte der  Fälle ist eine vollständige Erholung nach max. 1 Jahr zu erwarten,  die andere Hälfte  zeigen noch Residuen nach 1 Jahr, ein sehr geringer Teil zeigt einen Übergang in eine chronische Verlaufsform ( CIDP).

(N.Engelmann)

Beatmungsentwöhnung

Beatmungsentwöhnung in der fachübergreifenden neurologischen Früh-Rehabilitation

Beatmung dient der Unterstützung oder dem Ersatz unzureichender oder nicht vorhandener Eigenatmung. Es wird unterschieden zwischen kontrollierter Beatmung (Patient atmet nicht selbständig) und assistierter Beatmung (Patient atmet teilweise selbständig und bekommt Unterstützung von einem Beatmungsgerät). Dabei werden 2 grundlegende Funktionen erfüllt. Zum einen den Transport von Sauerstoff in das Blut um damit die Zellen des Körpers mit Sauerstoff zu versorgen. Zum anderen wird bei der Ausatmung das Gas Kohlendioxid aus dem Körper entfernt. Je nach zugrunde liegender Erkrankung liegt der Behandlungsschwerpunkt auf einer der beiden oder auch beiden Funktionen.

Beatmung wird notwendig wenn die Eigenatmung durch Erkrankungen unterschiedlicher Organsysteme beeinträchtigt ist. Zum Beispiel können Schäden im Gehirn nach einem Schlaganfall zu einer Störung des Atemantriebs führen. Weiterhin können Nerven- und Muskelschäden nach schweren Allgemeinerkrankungen (Operationen, Infektionen) zur Störung der Atemfunktion führen. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen z.B. nach Herzinfarkt können zu einer Beatmungspflicht führen. Lungenerkrankungen z.B. durch Tumore oder durch COPD führen ebenfalls häufig zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion, so dass eine künstliche Beatmung notwendig wird.

Ist ein Patient über einen längeren Zeitraum beatmet muss die Eigenatmung trainiert werden und das Beatmungsgerät abtrainiert werden. Wir sprechen von einem „weaning“. Dieser Prozess kann Tage, aber auch Wochen und Monate in Anspruch nehmen. Patienten bei denen dies nicht gelingt können mit einem Heimbeatmungsgerät versorgt werden. Somit ist eine Weiterversorgung in bestimmten Pflegeheimen möglich.

Während der Beatmung werden die Patienten am Monitor überwacht. Dabei wird das EKG aufgezeichnet, Blutdruck und Herzfrequenz gemessen. Die Sauerstoffsättigung zeigt den Sauerstoffgehalt im Blut an. Die Blutgase Kohlendioxid und Sauerstoff werden nach Blutentnahme in einem Laborautomaten gemessen. Danach entscheidet der behandelnde Arzt über die weiteren Beatmungseinstellungen und die Dauer und Häufigkeit der Spontanatmungsphasen.

(Dr. Petzold)

Parkinson

ganzheitliche, neurologische Rehabilitation bei Menschen mit Morbus Parkinson

Was ist die Parkinsonsche Krankheit?

Die Parkinsonsche Krankheit tritt bevorzugt im 6. und 7. Lebensjahrzehnt auf, jedoch sind ca. 10 % der Betroffenen jünger als 50 Jahre. Sie ist eine neurodegenerative Erkrankung. Aus bisher nicht in letzter Tiefe verstandenen Gründen kommt es zum Untergang von Zellen des zentralen Nervensystems. Dieser Zelluntergang verläuft lange symptomlos (man schätzt 5 bis 7 Jahre), erst beim Überschreiten einer gewissen Grenze können die verbliebenen Nervenzellen nicht mehr ausreichend dem Verlust entgegensteuern. Es bilden sich erste Symptome aus. Diese Frühsymptome sind oft schmerzhafte Muskelverspannungen im Nacken-, Schulter, Lendenwirbelsäulenbereich, Riechstörungen aber auch plötzlich auftretende Angstattacken. Im weiteren Verlauf treten dann mehr für die Parkinsonsche Krankheit charakteristische Symptome hinzu, diese sind typischerweise ein erhöhter Muskelspannungszustand (Rigor), eine Unbeweglichkeit und Bewegungsstarre (Akinese) sowie ein Zittern (Tremor). Tremor und Rigor beginnen oftmals halbseitig. Nicht bei jedem Parkinson Kranken verläuft die Erkrankung gleichartig meist steht entweder die Unbeweglichkeit oder das Zittern im Vordergrund.
Die Lebensqualität der Parkinson Patienten wird jedoch nicht nur durch die Ausprägung und Behandlung dieser Kernsymptome beeinflusst, zahlreiche andere Symptome können auftreten und sollten symptomspezifisch behandelt werden:

Die Symptomatik der Parkinson-Erkrankung kann umfassen:
• Störung der Haltungskontrolle, Verlust der korrektiven und protektiven Schutzreaktionen (mit einhergehender Sturzgefahr),

  • Starre der Mimik und Körperhaltung,
  • Verlangsamung der Bewegungen (z.B. verminderter Armschwung beim Gehen), erschwerter Bewegungsbeginn (Starthemmung), Beeinträchtigung der Feinmotorik und rascher Wechselbewegungen,
  • Veränderung des Schriftbildes mit kleiner werdender Handschrift,
  • Steifigkeitsgefühl der Muskulatur bei erhöhter Muskelspannung,
  • Kleinschrittiges, gebundenes (d.h. nach vorn gebeugtes) Gangbild, zum Teil begleitet von Episoden des Einfrierens (Freezing), in denen häufig der Gang ganz zum Stillstand kommt, diesem Freezing gehen oft einige Trippelschritte voraus (Sturzgefahr!)
  • Ruhezittern (vor allem der Hände); Zunahme des Zitterns bei emotionaler oder körperlicher Anspannung,
  • Sprecherschwernis mit leiser, mühsam artikulierter Stimme, mitunter auch Schluckstörungen,
  • möglicherweise Störungen der Hirnleistung (mit Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit, geistiger Umstellungsbereitschaft, Problemlöseverhalten, Handlungsplanung),
  • im seelischen Bereich nicht selten traurige oder ängstliche Verstimmung,
  • vegetative Störungen wie (kreislaufbedingte) Kollapsneigung, Darmverstopfung, Urininkontinenz, vermehrte Talgabsonderung der Haut (Salbengesicht).

Die äußere Bewegungsstarre der Betroffenen sollte nicht den Schluss einer geistigen Unbeweglichkeit nahelegen – die meisten Parkinson-Patienten weisen am Anfang und über weite Strecken der Erkrankung keine Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit auf. Einzelne Leitsymptome können ganz im Vordergrund des Parkinson-Bildes stehen, andere Krankheitszeichen im Verlauf und unter der Behandlung zurücktreten.
Welche Probleme kann es im Verlauf der Erkrankung mit der Medikation geben?

  • die Beweglichkeit und damit einhergehende Selbstversorgungsfähigkeit kann durch Wirkungsschwankungen der Parkinson-Medikamente (sog. On/Off-Phänomene) erheblich beeinträchtigt werden;
  • bei manchen Patienten kommt es im Zusammenhang mit Medikamentenwechselwirkungen zu mitunter hartnäckigen motorischen Fehlfunktionen; hierbei ist vor allem an vermehrte Bewegungen (Hyperkinesien) bzw. unkontrolliert-unharmonische Bewegungen (Dyskinesien) zu denken;
  • auch ein Nachlassen der Medikamentenwirkung kann bei längerem Krankheitsverlauf therapeutische Probleme bereiten.
  • Im Rahmen der medikamentösen Therapie werden auch nicht selten Psychosen beobachtet (in der Regel sehr gut reversibel), die sich meist in optischen Halluzinationen ausdrücken, d.h. der Erkrankte sieht Dinge, die gar nicht vorhanden sind.

Ganzheitliche, neurologische Rehabilitation
Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen für Betroffene zur Verfügung?
Der Verlauf der Parkinsonsche Erkrankung ist individuell unterschiedlich, die Zusammensetzung der Symptome und deren Ausprägung ist nicht immer gleich und auch die Probleme der medikamentösen Therapie ist individuell ausgeprägt. Daraus ergibt sich, dass zu Beginn einer jeden Rehabilitation eine gründliche Analyse der bestehenden Symptomatik und der im Vordergrund stehenden Symptome durchgeführt werden muss.

Maßgebliche Kriterien für die Auswahl der Schwerpunkte der Rehabilitation sind zum einen die Lebensqualität des Erkrankten und zum anderen die Bedrohung durch mögliche Folgen vorhandener Symptome (zum Beispiel Gefahr einer Lungenentzündung bei Schluckstörungen oder Gefahr von Stürzen bei Verlust der Haltungskontrolle). Mit dem Erkrankten zusammen werden so die Ziele der Rehabilitation bestimmt und ein individuell auf den Erkrankten zugeschnittener Behandlungsplan wird erstellt.
Folgende Rehabilitationsziele sind zum Beispiel vorstellbar:
• Verbesserung der Haltungskontrolle,
• Sprechschulung,
• Therapie von Schluckstörungen,
• Erhalt bzw. Wiederherstellung der Mobilität,
• Erzielen möglichst weitgehender Selbständigkeit im Alltagsleben,
• Verbesserung des Gangbildes, Erlernen eines physiologischen Gangmusters, Training der Feinmotorik (besonders zur Verbesserung der Handfunktion, z.B. beim Knöpfeschließen oder Schreiben),
• Anpassung und Optimierung der Medikation,
• Hilfsmittelversorgung und Schulung im Umgang mit erforderlichen Hilfsmitteln,
• Informationsvermittlung und Motivation zu einer gesundheitsbewussten (und ggf. behinderungsangemessenen) Lebensführung, Beratung von Familienangehörigen, Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen,
• Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Steigerung von Lebensfreude und Lebensqualität.

An Behandlungs- und Trainingsverfahren stehen im Neurologischen Rehabilitationszentrum Leipzig für Parkinson-Erkrankte zur Verfügung:

  • Krankengymnastik/Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage, mit spezieller Erfahrung in der Therapie von Gangstörungen und Haltungskontrolle,
  • Ergotherapie zur Schulung alltagspraktischer Fertigkeiten der Feinmotorik,
  • Sprechtherapie zur Verbesserung von Stimmstärke und Sprachverständlichkeit, sowie Logopäden mit ausgewiesenen Kenntnissen in der Behandlung von Schluckstörungen
  • neuropsychologisches Training zur Verbesserung geistiger Leistungen(Ausdauer, Konzentration),
  • physikaltherapeutische Anwendungen bei muskelspannungsbedingten Schmerzen,
  • verhaltensmedizinisch orientierte psychotherapeutische Hilfen bei der Krankheitsbewältigung,
  • sozialrechtliche Beratung (z.B. über mögliche Hilfen durch Kranken- und Pflegekassenleistungen)

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen

Rehabilitation bei Orientierungs-, Lern- und Gedächtnisstörungen

Was sind Orientierungs-, Lern- und Gedächtnisstörungen?

Das Gedächtnis funktioniert auch ohne Erkrankung oder Verletzung des Gehirns nicht immer perfekt. So haben manche Menschen Schwierigkeiten, sich die Namen von Personen zu merken, was in sozialen Situationen sehr peinlich sein kann. Anderen fällt in einem Gespräch das gewünschte Wort nicht ein, obwohl es vielleicht auf der Zungenspitze gelegen hat. Manchmal verliert man den Faden, weiß nicht mehr, was man sagen wollte. Oder man hat einen Termin vergessen. Aber es kann auch passieren, dass man ein Ereignis falsch erinnert, so dass es deshalb zu Streitereien kommt.

Diese Alltagserfahrungen können dazu beitragen, dass Patienten ihre durch Krankheit bedingten Gedächtnisstörungen nicht richtig einschätzen und deshalb nicht ernst nehmen. Fehleinschätzungen werden aber auch dadurch unterstützt, dass die Patienten nicht immer erinnern, dass sie sich nicht erinnern. Solche Fehleinschätzungen sind für die Rehabilitation sehr ungünstig, denn wenn das Problem nicht erkannt wird oder verharmlost wird, dann ist die Motivation gering, aktiv an der Problemlösung mitzuarbeiten. Aktive Mitarbeit ist aber in der Rehabilitation der Schlüssel zum Erfolg.

Nach traumatischen Hirnverletzungen (z. B. durch Autounfälle oder Stürze) leiden Patienten häufig an einer retrograden und einer posttraumatischen Amnesie, d. h., sie können sich nicht mehr an Ereignisse vor und nach dem Unfall erinnern. Diese Gedächtnislücken können je nach Schwere der Verletzung unterschiedlich groß sein. Manche Erinnerung ist wahrscheinlich für immer verloren.

Aber auch nach anderen Erkrankungen des Gehirns (z. B. Schlaganfall) finden sich je nachdem wie schwer die Hirnschädigung und welche Hirnregion betroffen ist, unterschiedlich ausgeprägte Gedächtnisstörungen. Wenn z. B. bestimmte Gebiete der linken Hirnhälfte betroffen sind, stehen sprachgebundene Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten im Vordergrund. Manchmal sind aber auch andere Störungen für die Beeinträchtigung der Lern- und Gedächtnisleistungen verantwortlich, wie z. B. Aufmerksamkeits- oder Exekutivstörungen.

Von einer Orientierungsstörung spricht man, wenn der Betroffene nicht angeben kann, wo er sich befindet (z. B. Krankenhaus), nicht weiß, warum er im Krankenhaus ist, Namen von vertrauten Personen (z. B. von Eltern, Kindern) nicht mehr sicher erinnert oder den Wochentag und das Jahr nicht angeben kann. In manchen Fällen kommt es zu falschen Erinnerungen, indem der Betroffene sagt, dass er sich im Urlaub und im Hotel befindet. Die Orientierungsstörung tritt in der Regel nach schweren Hirnerkrankungen und der Frühphase des Heilungsprozesses auf. Die Betroffenen können in dieser Phase Richtigstellungen ihrer falschen Erinnerungen nicht nutzen. Korrekturversuche sind deshalb meist nicht erfolgreich. Für Angehörige ist das schwer verständlich und kann zu unnötigen Konflikten führen.

Von einer Lernstörung spricht man, wenn Patienten von der wiederholten Darbietung einer Information nicht profitieren. Wenn man etwas gelernt hat, aber die Information nach einer Unterbrechung nicht mehr erinnert, handelt es sich um eine Gedächtnisstörung. Die Übergänge sind fließend. Denn, um etwas zu erinnern, muss die Information zunächst wahrgenommen, dann verarbeitet und abgespeichert werden, damit man sie später wieder abrufen kann. Manchmal ist die Information jedoch abgespeichert, kann aber nicht abgerufen werden. Durch eine Hirnschädigung können diese Teilprozesse gestört werden. Aber selbst, wenn diese Teilprozesse gestört sind, sind Patienten nicht selten in der Lage, Informationen und Ereignisse, die für sie emotional wichtig sind, abzurufen.

Schließlich gibt es noch das Arbeitsgedächtnis, das z. B. für das Kopfrechnen wichtig ist.

Wann kommt es zu Lern- und Gedächtnisstörungen?

Zu Lern- und Gedächtnisstörungen kann es immer dann kommen, wenn durch Krankheit oder Unfälle Hirngewebe zerstört oder die Funktion verschiedener Hirnareale gestört wurde. Im Gehirn sind zahlreiche Gebiete an Lern- und Gedächtnisprozessen beteiligt. Dazu gehören u.a. der Hippocampus und der Thalamus.

Wie machen sich Orientierungs-, Lern- und Gedächtnisstörungen bemerkbar?

In der Frühphase wirkt der Patient unter Umständen verwirrt und nicht orientiert. In späteren Phasen werden Gegenstände verlegt, Termine nicht eingehalten, beim Einkaufen werden Artikel vergessen oder manches wird doppelt eingekauft. Nachrichten oder Gespräche nicht oder unvollständig oder falsch erinnert. Das Erlernen neuer Informationen (z. B. Namen von Pflegekräften und Therapeuten) gelingt nicht oder ist erschwert.

Es gibt allerdings eine Form des Lernens, das Erlernen von motorischen Fertigkeiten (z. B. Laufen), das durch die hier beschriebenen Lern- und Gedächtnisstörungen nicht betroffen ist.

Bilden sich Lern- und Gedächtnisstörungen zurück?

Der Heilungsverlauf bei erworbenen Lern- und Gedächtnisstörungen hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören u. a. der Ort und die Art der Hirnschädigung und das Lebensalter. Wenn bestimmte Hirnstrukturen (z. B. Hippocampus) durch die Erkrankung zerstört wurden, wird sich die Gedächtnisstörung kaum zurückbilden. Wenn dagegen Nervenbahnen zwischen verschiedenen Hirngebieten betroffen sind, ist die Prognose möglicherweise günstiger, da sich neue Verbindungen entwickeln können. Bei alten Menschen verlangsamt sich der Heilungsverlauf und die Gedächtnisstörung bildet sich nicht so gut zurück, wie gewünscht.

Wie werden Lern- und Gedächtnisstörungen untersucht?

In der Neuropsychologie werden in der Regel Tests eingesetzt, mit denen man die verschieden Lern- und Gedächtnisprozesse untersuchen kann, dabei wird zwischen sprachgebundenem und nicht-sprachgebundenen Informationen unterschieden (z. B. Wortlisten oder Abbildungen).

Außerdem werden Fragebögen für Patienten und Angehörige benutzt, um in Erfahrung zu bringen, ob der Betroffene und sein Umfeld diese Beeinträchtigungen wahrgenommen haben und wie sich diese auswirken.

Nicht immer sind die in den Tests festgestellten Einschränkungen für den Patienten auch im Alltag wichtig. So ist ein Lehrer   von einer sprachgebundenen Gedächtnisstörung stärker betroffen als vielleicht ein Handwerker oder Sachbearbeiter.

Was sind die Behandlungsziele?

Es gibt zwei wesentliche Ziele: 1. Verbesserung der Orientierung sowie der Lern- und Gedächtnisleistungen und 2. Verringerung der Auswirkungen der Lern- und Gedächtnisleistungen im Alltag.

Wie behandeln wir Orientierungs-, Lern- und Gedächtnisstörungen?

Bei Orientierungsstörungen werden in Einzel- und Gruppentherapien vier- bis fünfmal in der Woche mit verschiedenen Materialien (z. B. Familienfotos, Fotos von den Therapeuten) und zahlreiche Wiederholungen die wichtigen Informationen zur Person, zum Ort und zur Zeit eingeübt.

Insbesondere bei schweren Gedächtnisstörungen kommt es zum Einsatz von Hilfsmitteln, wie z. B. von individuell gestalteten Tagestherapieplänen, um dem Patienten die selbständige und pünktliche Teilnahme an den Therapien zu erleichtern. Sogenannte Gedächtnistagebücher, die unter Umständen von den Therapeuten ausgefüllt werden, falls dies der Patient noch nicht kann, werden genutzt, damit wichtige Informationen nachgeschlagen werden können, aber auch um wichtige Tagesereignisse (z. B. Therapieerfolg) festzuhalten. Schließlich können Zimmertüren markiert werden, damit das eigene Zimmer selbständig und sicher gefunden wird.

Bei leichteren Gedächtnisstörungen und meist erst in späteren Behandlungsphasen können auch verschiedene Lernstrategien eingeübt werden. Für Patienten mit sprachgebundenen Gedächtnisstörungen bietet sich der Einsatz des bildlichen Vorstellungsvermögens an. Wenn man Inhalte von Zeitungstexten besser behalten möchte, gibt es ebenfalls Methoden, die das Erinnern erleichtern.

Der Einsatz der Methoden hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen beim Patienten ab.

Anmerkung: Die Behandlung von Lern- und Gedächtnisstörungen folgt den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Gesellschaft für Neuropsychologie (https://www.dgn.org/leitlinien/ 2440-ll-94-2012-diagnostik-und-therapie-von-gedaechtnisstoerungen).

Literatur: Scheurich, A., & Schneider-Janessen, K. (2009). Ratgeber Neuropsychologie. Göttingen: Hogrefe Verlag.

Autor: Dr. phil. Hendrik Niemann

Bewusstseinsstörung

Früh- und Intensivrehabilitation von Patienten mit Bewusstseinsstörungen

Das NRZ Leipzig ist ein nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattetes Rehabilitationszentrum für Neurologie, Neurochirurgie und Neuropsychologie.

Patienten mit Bewusstseinsstörungen jeglichen Schweregrades werden bei uns bestens betreut. Grundlage der Rehabilitation ist ein multimodales, alle Berufsgruppen einbeziehendes bio-psycho-soziales Behandlungskonzept, bei dem aktivierende Behandlungsansätze im Vordergrund stehen. Mobilisierung, Förderung der Kommunikation, Verbesserung von Wachheit und Aufmerksamkeit sind vorrangige Ziele. Dabei werden die individuelle Lebensgeschichte des Patienten, seine Persönlichkeit ebenso berücksichtigt wie sein familiäres Umfeld und seine persönlichen Ziele.

Rehabilitation von Bewusstseinsstörungen

Eine Bewusstseinsstörung ist keine eigenständige Krankheit, sondern Symptom einer manchmal schweren Hirnschädigung, die wiederum ganz verschiedene Ursachen haben kann. Die häufigsten Ursachen sind Hirnblutungen oder Hirninfarkte, ein vorübergehender Sauerstoffmangel des Gehirns (z.B. nach Herz-Kreislauf-Stillständen) oder Schädel-Hirn-Verletzungen; seltener ist eine Bewusstseinsstörung auf eine Tumorerkrankung zurückzuführen. Der Schweregrad einer Bewusstseinsstörung kann sehr stark variieren.

Bewusstseinseintrübungen werden in ihrer leichten Form als Somnolenz – einer schlafähnlichen Bewusstseinslage – bezeichnet. Eine kurzfristige Kontaktaufnahme zum Betroffenen z.B. durch forcierte Ansprache gelingt meistens. Von Sopor wird gesprochen, wenn der Patient nur auf starke Reize wie reagiert, diese Wechkreaktion jedoch nicht von Dauer ist.

Tiefere Bewusstseinsstörungen werden Koma genannt. Sie sind dadurch definiert, dass eine Kontaktaufnahme mit dem Betroffenen nicht gelingt. In leichten Koma-Stadien können gezielte Abwehrbewegungen auf Schmerzreize beobachtbar sein, die in tieferen Koma-Stadien dann ungerichet ausfallen und schließlich ausbleiben. Der komatöse Patient ist nicht erweckbar. Pupillen- und Augenbewegungsstörungen sowie Extremitätenlähmungen und Schluckstörungen sind häufig anzutreffen.

Eine Sonderform des Komas ist das Wachkoma. Betroffenen haben zeitweilig die Augen geöffnet und weisen einen zumindest teilweise erhaltenen Tag-Nacht-Rhythmus auf. Blickfixation, Blickfolgebewegung, Aufforderungsbefolgen oder Kommunikation sind nicht möglich. Manchmal können mimische oder gestische Automatismen zu Missverständnissen führen und für eine bewusste Patientenreaktion gehalten werden. Sorgfältige und häufige Beobachtung und der immer wieder unternommene Versuch der Kontaktaufnahme zum Betroffenen sind daher besonders wichtig. Bedingungen, in denen nur inkonstant oder auf niedrigem Niveau eine Kommunikation gelingt, werden auch als “State of minimal consciousness“ bezeichnet.

Multiprofessionelle Rehabilitation bei Bewußtseinsstörungen

Das NRZ Leipzig rehabilitiert Patienten mit allen Stufen von Bewusstseinsstörungen. Besonders bei schweren Bewusstseinsstörungen besteht manchmal die Neigung zu vegetativen Regulationsstörungen, die sich in heftiger Atmung, vermehrtem Schwitzen, Blutdruckanstiegen und hoher Herzfrequenz äußern können. Aud unseren Stationen der Früh- und Intensivrehabilitation (Rehabilitationsphase B) sind die Ärzte und die Kollegen des Pflegedienstes in der Beherrschung dieser Phänomene besonders erfahren.

Die Verbesserung oder Stabilisierung der Bewusstseinslage und die Schaffung eines Kommunikationskanals sind vorrangige Ziele im Rahmen des multiprofessionellen und interdisziplinären Rehabilitationsprogramms, bei dem Ärzte, Psychologen, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten sowie das Pflegeteam mitmachen. Hierfür müssen Verhalten und Reaktionen des Patienten sorgfältig beobachtet und dokumentiert werden. Physiotherapeuten mobilisieren den Patienten, bereiten ihn für die Benutzung des Rollstuhls vor, bringen ihn zur Anregung von Bewusstsein und Kreislauf in die stehende Körperposition. Ergotherapeuten beschäftigen sich mit der Funktionsanbahnung der Arme und Hände mit dem langfristigen Ziel seine Selbständigkeit bei den Verrichtungen des täglichen Lebens wiederherzustellen. Logopäden kümmern sich um die Wiederherstellung der Kommunikation und um das Trachealkanülen-Management. Für die Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen ist das NRZ Leipzig ebenfalls umfassend ausgestattet, u.a. kann eine fiberendoskopische

Bei allen Therapien wird darauf geachtet, dass sie in reizarmer Umgebung stattfinden, weil bei bewusstseinsgeminderten Patienten häufig eine reduzierte Aufmerksamkeit und eine besonders leichte Ablenkbarkeit die Behandlung erschwerden. Konnte ein Kommunikationskanal geschaffen werden, beginnt die intensive neuropsychologische Förderung mit dem Ziel höhere Hirnleistungen, wie Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis oder planvolles Handeln wiederherzustellen.

Gemeinsam mit den Angehörigen des Patienten werden die Rehabilitationsziele definiert und Überlegungen zur Weiterversorgung nach Abschluss der stationären Rehabilitation angestellt. Dazu zählen die Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln ebenso wie die Organisation der nachstationären therapeutischen Weiterbetreuung. Für besonders schwer betroffene Menschen, die trotz aller therapeutischen Bemühungen (wach-)komatös bleiben, gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft zum NRZ Leipzig das ‘Hannelore-Kohl-Haus’, sächsisches Pflegeleitzentrum für die Betreuung von Menschen im Wachkoma.

Schluck- und Sprachstörungen

Rehabilitation bei Schluck- und Sprachstörungen

Die Nahrungsaufnahme ist eine selbstverständliche Notwen­digkeit, bedeutet Lebensqualität und aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Doch was, wenn das Essen wegen einer neurologischen Erkrankung zur Qual wird? Ca. 50 Muskelpaare und 5 Hinnerven sichern in einem perfekten Zusammenspiel unser risikofreies Essen. Ist dies nicht gegeben, spricht man von einer Dysphagie, die zu Folgeerkrankungen mit vielfältigen Komplikationen führen kann. Im NRZ Leipzig wird der Dysphagie höchste Priorität beigemessen. In den Rehabilitationsphasen B und C (Phase D bei akutem Verdacht) werden in einem Team aus Arzt und Logopäden bereits unmittelbar nach der stationären Auf­nahme (und vor der ersten Mahlzeit) in einer klinischen Befundung Kostform, weitere notwendige Diagnostiken (fieberendoskopischen Laryngoskopie, Video-fluoroskopie etc.) sowie der Therapieplan festgelegt. Bei tracheoto­mierten Patienten steht stets die Dekanülierung in Verbindung mit der Oralisierung im Vordergrund. In den jeweiligen therapeutischen Interventionen finden (interdiszi­plinär) kausale (repetitive), kompensatorische und adaptie­rende Maßnahmen Anwendung. Bei guter Mobilisation und Mitarbeit können unter­stützend zum Üben bei freier Zeiteinteilung Biofeedbackgeräte (EMG-, respiratorisches Biofeedback, Prosodie-Biofeedback) eingesetzt werden.

Die Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation kann auf vielfältige Weise beeinträchtigt sein. Neben der klassischen Aphasie (d.h. zentralen Sprechstörungen mit Beein­trächtigung der “inneren Struktur” von Sprache) werden Lese- und Schreibstörungen, Sprechapraxien und Dysathro­phonien/Dysarthrien angetroffen.

Jedes sprachtherapeutische Behandlungsprogramm beginnt mit einer detaillierten störungsspezifisch angepassten Analyse der vorliegenden sprachsystematischen bzw. sprech­motorischen Störung, des daraus resultierenden Störungsbewusstseins und der voraussichtlichen sprach­lichen Lernfähigkeit des Patienten. Vorwiegend standardi­sierte Testverfahren finden Anwendung. Im Verlauf der Behandlung wird diese Analyse regelmäßig wiederholt, da bei Verbesserung einer sprachlichen Teilfunktion eine weitere Störung zu Tage treten kann, die eine veränderte therapeutische Strategie notwendig macht. Weil kommunikative Fertigkeiten durch kognitiv/neuro­psycho­logische Funktionsstörungen in erheblichem Umfang beeinträchtigt sein können, erfolgt im NRZ Leipzig eine besonders enge Kooperation des sprachtherapeu­tischen Bereichs mit dem neuropsychologischen Arbeitsgebiet. Auch häufig begleitende Beeinträchtigungen des Schreibens, Lesens und Rechnens werden therapiert.

Dem Zusammenhang zwischen kommunikativer Kompetenz und der Aussicht auf erfolgreiche Wiedereingliederung in das Erwerbs- bzw. Alltagsleben wird besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Im Umgang mit aphasischen Patienten müssen eine Reihe von Grundprinzipien beachtet werden: Mit den betroffenen Patienten muss klar artikuliert, langsam und inhaltlich eindeutig gesprochen werden. Patienten mit vermindertem Sprechantrieb sollen regelmäßig zur verbalen Interaktion angeregt werden, übermäßiges Korrigieren von Paraphasien oder Neologismen sollten unterbleiben. Auf nicht sprachliche Techniken der Kommunikation (z.B. Gestik) sollte so spät wie möglich zurückgegriffen werden. Es ist die Aufgabe des logopädischen Teams, diese Regeln patienten-pezifisch z.B. im Rahmen von Fallkonferenzen den übrigen Berufsgruppen (therapeutisch und pflegerisch) zu vermitteln.

Ein dritter wichtiger therapeutischer Schwerpunkt ist die Dysarthrie­therapie / Dysarthrophonietherapie. Bei er­haltenen rezeptiven Leistungen ist die Artikulations- und/oder Phonationsfähigkeit beeinträchtigt. Nach eingehen­der Diagnostik wird patientenindividuell und störungs­spezifisch ein Übungs­programm zusammengestellt, welches konsequent in den einzeltherapeutischen Sitzungen umge­setzt wird.

In interdisziplinären Teambesprechungen werden patienten­individuell Prioritäten und je nach physischer Belastbarkehit ein Höchstmaß an Therapien festgelegt. Bei Bedarf und Notwendigkeit erfolgt eine hochfrequente einzel­therapeutische logopädische Betreuung (aller genannten Störungsbilder) und/oder die Integration in eine der zahl­reichen Gruppen.

In regelmäßig stattfindenden Angehörigenseminaren wer­den medizinische und therapeutische Grundlagenkenntnisse über das jeweilige Störungsbild vermittelt, in individuellen Gesprächen wird die therapeutische Unterstützung durch die Angehörigen bzw. bei Entlassung die ambulante Weiterbetreuung besprochen.

Muskelerkrankungen/Myasthenie

Rehabilitation von Patienten mit Muskelerkrankungen oder Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung

Sehr viele neurologische Erkrankungen gehen mit Muskelschwäche oder Muskelschwund einher. Die Ursachen liegen oft im peripheren Nervensystem, im Gehirn selbst oder im Rückenmark. Tatsächliche Muskelerkrankungen liegen aber direkt im Muskel.

Muskelerkrankungen gehören eher zu den seltenen Krankheiten, die jedoch das Leben der Betroffenen stark einschränken. Es gibt verschiedene Arten von Muskelkrankheiten. Bei einigen liegt die Ursache im Nervensystem (Polyneuropathie) oder in einer fehlerhaften Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel (Myasthenie). Bei einer Myopathie hingegen ist der Muskel selbst von der Krankheit betroffen. Diese Form der Muskelerkrankung wird auch als Muskelschwund bezeichnet und äußert sich durch eine Schwächung und Degeneration der betroffenen Muskeln. Muskelschwäche und Muskelschmerzen schränken die Beweglichkeit ein und beeinträchtigen die Lebensqualität.

Je nach Ursache und Krankheitsverlauf werden die der Myopathie zugeordneten Muskelerkrankungen in verschiedene Arten unterteilt. Dazu gehören:

  • Muskeldystrophie: Die häufigste Form der Myopathie ist eine genetisch bedingte Muskelerkrankung. Ursache ist ein Mangel bestimmter Eiweiße, die für den Aufbau und die Funktion des Muskels wichtig sind. Muskeldystrophie ist eine Muskelerkrankung, deren wesentliche Symptome in einer Rückbildung des Muskelgewebes bestehen (Muskelschwund). Erste Symptome für eine Muskeldystrophie sind Muskelschwäche sowie zunehmende Schwierigkeiten, Bewegungen exakt und mit der nötigen Kraft auszuführen. Es gibt zahlreiche Formen der Muskeldystrophie. Je nachdem, welche Gene geschädigt sind, betreffen sie verschiedene Muskelgruppen. Die häufigsten Formen der Muskeldystrophie heißen Typ Becker-Kiener und Typ Duchenne. Bei beiden Arten ist das Gen für das Eiweiß Dystrophin durch eine Mutation verändert. Zunächst ist die Beckengürtel- und Oberschenkelmuskulatur betroffen. Typische Symptome für den Rückgang der Kraft und Belastbarkeit sind Schwierigkeiten beim Treppensteigen sowie zunehmendes Stolpern oder Fallen.
  • Mitochondriale Myopathie: Die Ursache für diese Muskelkrankheit ist eine Fehlfunktion der Mitochondrien. Mitochondrien sind ein Bestandteil jeder Zelle. Sie übernehmen die Energieversorgung. Liegt eine Fehlfunktion der Mitochondrien vor, werden die Muskeln nicht ausreichend versorgt und bilden sich in der Folge zurück.
  • Myotonie: Diese Muskelerkrankung zeichnet sich durch eine Störung bei der Muskelaktivität aus. Diese führt zu einer Versteifung der Muskeln beziehungsweise zu einer mangelnden Entspannung.
  • Myopathie als Folge von anderen Krankheiten: So können z.B: Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), zu einer Unterversorgung der Muskeln führen und dadurch eine Rückbildung auslösen. Darüber hinaus gibt es entzündliche Myopathien (Myositis), die durch Erreger ausgelöst werden oder, was häufiger der Fall ist, eine Autoimmunerkrankung darstellen. In diesem Fall betrachtet das Immunsystem die eigenen Muskelfasern als Fremdkörper und greift diese an. Weitere seltene Muskelerkrankungen können durch Medikamente, Drogen oder andere exogene Stoffe entstehen.

Abzugrenzen ist die Myopathie ferner von der Muskelschwäche (Myasthenie).

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem bildet dabei Antikörper, also spezielle Immunbotenstoffe, die gegen den eigenen Körper gerichtet sind. Im Fall von Myasthenia gravis richten sich die Antikörper gegen wichtige Strukturen (Rezeptoren) in der Muskulatur. Die Folge: Die Signalübertragung zwischen Nervenzellen und Muskeln ist gestört.

Mit der sinkenden Signalübertragung können Bewegungen weniger präzise und kraftvoll ausgeführt werden.

Zu den möglichen Funktionsstörungen der Muskelerkrankungen oder Myasthenie gehören (nicht alle müssen auftreten):

  • Gang- und Standunsicherheit durch fehlende Kraft und Kraftausdauer bzw. Ermüdung in den Beinen (z.B. Schwierigkeit beim Treppensteigen)
  • Beeinträchtigung der Arm- und Handfunktion durch fehlende Kraft und Kraftausdauer bzw. Ermüdung in den Armen und Händen (z.B. Dinge fallen aus der Hand)
  • Schmerzen in den betroffenen Muskeln
  • Missempfindungen oder ein Schweregefühl in Armen und Beinen
  • Sprech- und Schluckstörungen durch Ermüdung der Rachenmuskulatur
  • Ermüdung der Atemmuskulatur
  • Sehstörungen (z.B. Schleiersehen), Doppelbilder oder hängende Augenlieder durch Ermüdung der Augenmuskeln
  • Verschmächtigung der Muskulatur (Atrophie)
  • Störungen der Krankheitsverarbeitung oder Depression

Ziel der Rehabilitation am NRZ/in der Sachsenklinik ist die Verbesserung der Funktionsstörungen und die Minderung der aus den Funktionsstörungen resultierenden Einschränkungen im täglichen Leben und im Beruf. Dabei wird der uns anvertraute Patient in seiner bio-psycho-sozialen Komplexität gesehen, d.h. neben den körperlichen Symptomen werden seelische Befindlichkeiten und persönliche Lebenssituation in die Gestaltung seiner Rehabilitation einbezogen.

Wissenschaftlich begründete und in ihrer Wirksamkeit bewiesene Therapieverfahren bestimmen im NRZ Leipzig/in der Sachsenklinik die Arbeit unserer Physio- und Ergotherapeuten. Auch in der Psychologie und Logopädie werden hocheffiziente Therapiemethoden verwendet. Insgesamt wirkt ein interprofessionelles Team bei der individuellen Patientenrehabilitation zusammen, zu dem auch Ärzte, Orthoptisten, Sozialarbeiter, Masseure sowie Gesundheits- und Krankenpfleger gehören. Die Strategien des Teams sind eng aufeinander abgestimmt, um gemeinsam mit dem Patienten das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

Ziele der multiprofessionellen Rehabilitationsbehandlung:

  • Anbahnung und Wiederherstellung alltagspraktisch und berufsbezogen nutzbarer Arm-, Bein- und Rumpfmotorik (einschließlich Gehen, Stehen, Treppensteigen, Handmotorik mittels krankengymnastischer, sporttherapeutischer und ergotherapeutischer Behandlung), hierbei gilt es einem individuell angepassten Trainingsplan mit leichter bis mäßiger Belastung zu erstellen um eine Überbelastung und eine evtl. Verschlechterung zu vermeiden
  • Erreichen weitgehender Selbständigkeit im Alltagsleben, ggf. mit Hilfe behinderungsgerechter Hilfsmittelversorgung und Schulung im Umgang mit erforderlichen Hilfsmitteln und Schulung im Umgang mit diesen Hilfsmitteln
  • Behandlung von Schmerzen
  • Vermittlung von Krankheitsinformation und Motivation zur gesundheitsbewussten (und ggf. an die Behinderung angepassten) Lebensführung, Beratung von Angehörigen
  • Beratung zur Wiedereingliederung ins das Leben in der Familie, der Gesellschaft und das Berufsleben, mit Kontaktaufnahme zu den Angehörigen (Angehörigenberatung) und ggf. zu den Arbeitgebern
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen
  • Hilfen bei der Krankheitsbewältigung
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Steigerung von Lebensqualität und Lebensfreude

Berufliche Reintegration

Berufliche Reintegration

Infolge neurologischer Erkrankungen kommt es häufig zu Beeinträchtigungen, die nicht nur Auswirkungen auf das alltägliche Leben, sondern auch auf die berufliche Tätigkeit haben. Um eine berufliche Integration für einen möglichst großen Teil der Betroffenen zu erreichen, wurden im NRZ Leipzig auf diese spezifische Aufgabenstellung zugeschnittene Programme entwickelt.

Der erste Schritt im Rahmen unseres Maßnahmepaketes ist die frühe Identifikation der in Frage kommenden Rehabilitanden mit einer genauen Evaluation der zentralen auf den Arbeitsplatz bezogenen Probleme. Zu diesem Zweck wird für die Rehabilitanden ein auf deren Bedürfnisse abgestimmtes Reha-Team gebildet, das sich aus dem Stationsarzt, den betreuenden Therapeuten und einer Sozialarbeiterin zusammensetzt. Über den Sozialdienst erfolgt dann eine Abstimmung mit dem zuständigen Reha-Fachberater des Kostenträgers.

Im zweitem Schritt wird ein integrierter Behandlungsplan aufgestellt, der besonders auf neuropsychologische Defizite (z.B. Probleme der Aufmerksamkeit und Konzentration, des Gedächtnisses und der Handlungsplanung), Sprech- und Sprachstörungen oder motorische Beeinträchtigungen (Lähmungen, Störungen der Koordination, Gangstörungen usw.) abgestimmt ist. Im Rahmen dieser Therapien erhalten die Rehabilitanden die Gelegenheit, möglichst berufsnah zu üben. Dazu werden Anforderungen am jeweiligen Arbeitsplatz simuliert und deren Bewältigung unter Anleitung von spezialisierten Fachtherapeuten eingeübt.

Der dritte Schritt des Reintegrationsprogramms besteht in der Begleitung und Beratung der Rehabilitanden und Arbeitgeber (natürlich nur mit Zustimmung der Betroffenen) in der ersten Zeit der beruflichen Wiedereingliederung. Durch dieses Angebot werden Probleme und Konflikte am Arbeitsplatz möglichst frühzeitig erkannt, um einen Erfolg der beruflichen Reintegration sicherzustellen.

Bei Fragen zu unserem Reintegrationsprogramm steht Ihnen gerne unser leitender Neuropsychologe, Herr Dr. Hendrik Niemann, unter der Telefonnummer 03425-888390 zur Verfügung.

Neurologisches Rehabilitationszentrum Leipzig

Muldentalweg 1 · 04828 Bennewitz · Tel.: (03425) 888 818 · nrz(at)sachsenklinik.de

Über die Michels Kliniken

In unseren Rehabilitationskliniken im Raum Sachsen, Berlin-Brandenburg und Niedersachsen bieten wir Rehabilitationsleistungen in den Fächern Neurologie, Orthopädie, Geriatrie, Kardiologie und Psychosomatik an.