Projekt Fähigkeitsbefund Somatik

Projekt Fähigkeitsbefund Somatik

Psychische Fähigkeitsbeeinträchtigungen bei Patienten mit somatischen Erkrankungen (Mini-ICF-APP Somatik)

Berentungen wegen psychischer Erkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen. Aktuell liegt die Rate der Neuberentungen aufgrund psychischer Erkrankungen bei 36,5% (Männer) und 49% (Frauen; DRV, 2017a). Die DRV Bund fordert dazu auf, auf psychische Erkrankungen und Beschwerden während einer medizinischen Rehabilitation diagnostisch und ggf. auch therapeutisch einzugehen bzw. eine sinnvolle Nachbehandlung in die Wege zu leiten (DRV, 2014).

Die Problematik psychischer Erkrankungen zeigt sich vor allem darin, dass diese Menschen Probleme mit den psychischen Arbeitsanforderungen haben (Muschalla et al., 2012). Für den Bereich der psychosomatischen Rehabilitation liegen aus mehreren Projekten Daten vor zur Verteilung und Art und ggf. Behandlungsansätze für Fähigkeitsbeeinträchtigungen bei psychischen Erkrankungen (Linden et al., 2009; Muschalla, 2013, 2014). Das Instrument zur Beschreibung von Fähigkeitsbeeinträchtigungen Mini-ICF-APP, welches ebenfalls im Rahmen eines DRV-Bund-Projekts entwickelt werden konnte, ist inzwischen ein in der Sozialmedizin bei psychischen Erkrankungen etabliertes, in Leitlinien empfohlenes (DRV, 2012; SGVP, 2012; Schneider et al., 2012) und gut anwendbares Verfahren. Es hat inzwischen internationale Anerkennung gefunden, was sich in zahlreichen Übersetzungen und Validierungsstudien im internationalen Raum wiederspiegelt (u.a. Molodyski et al., 2012; Balestrieri et al., 2013).

Es liegen bislang jedoch keine systematischen Daten vor zu Häufigkeit, Art und Ausmaß von Fähigkeitsbeeinträchtigungen bei Patienten mit somatischen Erkrankungen. Dieses Projekt soll diese Lücke schließen. Die Studie betritt damit Neuland und wird erstmals empirische Daten generieren zu der wichtigen Frage, wie häufig und in welcher Weise auch Patienten mit somatischen Erkrankungen, bei denen psychische Begleitsymptomatiken beobachtet werden, psychische Fähigkeitsbeeinträchtigungen aufweisen. Dies ist von großer Bedeutung für die zukünftige Ausgestaltung der psychodiagnostischen Kompetenzen in Rehabilitationseinrichtungen, sowie der Qualitätsoptimierung der sozialmedizinischen Epikrisen.

Projektassoziierte Publikationen:

Henning, A. & Meyer-Zier, R. (2020). Psychische Fähigkeitsbeeinträchtigungen bei neurologischen Erkrankungen. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, im Druck.

Linden, M., Baron, S., Muschalla, B., & Ostholt-Corsten, M. (2015). Fähigkeitsbeeinträchtigungen bei psychischen Erkrankungen. Diagnostik, Therapie und sozialmedizinische Beurteilung in Anlehnung an das Mini-ICF-APP. Göttingen: Hogrefe.

Muschalla, B., Poguntke, K.J., & Linden, M. (2019). Assessment of capacity impairment in patients with mental disorders by routine clinical assessment and by structured assessment with the Mini-ICF-APP. Psychopathology, online published.

Neue, D. & Schikora, M. (2020). Funktionsstörungen und psychische Fähigkeitsbeeinträchtigungen bei Patienten in der kardiologischen Rehabilitation. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, im Druck.

 

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